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Aktualisiert: vor 32 Minuten 48 Sekunden

Stiftung überarbeitet Welterbe-Antrag für Thüringer Schlösser

19. Februar 2024 - 5:45
Stiftung überarbeitet Welterbe-Antrag für Thüringer Schlösser evde_m_admin Mo., 19.02.2024 - 05:45

Rudolstadt (epd). Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten will bis 2027 den Antrag auf Aufnahme der Residenzkultur der Region in die Unesco-Welterbeliste überarbeiten. Der im Dezember von der Konferenz der deutschen Kulturminister abgelehnte Antrag müsse plausibler werden, sagte die Direktorin der Stiftung, Doris Fischer, dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Wir wussten schon beim ersten Anlauf, dass wir schwierige Ausgangsvoraussetzungen haben“. Europäische Schlösser seien auf der Welterbe-Liste bereits überproportional vertreten. Es sei nicht ausreichend deutlich geworden, dass Thüringens Antrag nicht auf die Einmaligkeit der Bauwerke abziele, sondern auf die Ablesbarkeit von Funktion und Nutzungsgeschichte.

Der Welterbe-Antrag „Thüringer Residenzkultur“, umfasst neun fürstliche Repräsentationsbauten. Die Kulturministerkonferenz der Länder hatte im Dezember die Aufnahme in die Vorschlagsliste der deutschen Bewerbungen für die Unesco abgelehnt. Ein Gutachten hatte in der großen Dichte von Residenzen in Thüringen keinen außergewöhnlichen universellen Wert gesehen.

Fischer sagte, die neue Bewerbung müsse nun das Alleinstellungsmerkmal herausstellen, das weit über Architektur hinausgehe: „Thüringen hat über Jahrhunderte und noch bis 1918 als eine polyzentrale Herrschaftslandschaft funktioniert.“ Das sei in dieser Form weltweit einzigartig.

Dabei gehe es auch um immaterielles Kulturerbe. Nicht nur die Schlösser, sondern auch die Sammlungen der Regenten, die Archive der Thüringischen Staaten sowie die Zeugnisse der Musik- und Theaterkultur seien noch an den originalen Standorten vorhanden.

Das Problem bei der Begutachtung sei gewesen, dass die Welterbeliste letztlich eine Liste des baulichen Erbes sei, die Thüringer Besonderheit jedoch weit darüber hinausgehe, betonte die Stiftungsdirektorin. Insofern sei die Zeit möglicherweise noch nicht reif für den Antrag gewesen. Thüringen werde sich die Gründe für die Ablehnung genau ansehen und den Antrag bis 2027 nachschärfen. Überdies müssten einzelne Aspekte durch weitere Forschungen untermauert werden. „Ich bin überzeugt, wer sich darauf einlässt, erkennt das große Potenzial des Thüringer Antrags“, sagte Fischer.

2 Kommt - von Gottfried Bachl

19. Februar 2024 - 5:00
2 Kommt - von Gottfried Bachl GEPCORE_EVDE_SYNC Mo., 19.02.2024 - 05:00 Patrick Hendry/Unsplash Ohrenweide Podcast Kultur Ohrenweide Folge 1414. Helge Heynold liest: 2 Kommt - von Gottfried Bachl aus dem Buch feuer.wasser.luft.erde, erschienen im Tyrolia-Verlag.

Seit April 2020 erscheint täglich die Ohrenweide. In mittlerweile über 1.000 Folgen werden an dieser Stelle täglich kleine Hörgeschenk zum Innehalten, Nachdenken und Hoffnung schöpfen angeboten.

Helge Heynold Helge Heynold studierte Schauspiel und spielte eine Zeit lang Theater, bevor er zum Hessischen Rundfunk wechselte. Dort war er über 40 Jahre als Redakteur, Regisseur und bald auch als Sprecher tätig. Als solcher hatte er Auftritte mit Solo-Musikern, Orchestern und Chören und las CDs ein. Seit vielen Jahren ist er zudem als Vorleser auf diversen Bühnen unterwegs - mit Lyrik, Geschichten und auch kompletten Romanen. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit unseren kleinen Ausflügen auf die Ohrenweide. Ab diesem Jahr sind unsere Inhalte noch etwas abwechslungsreicher. So werden wir zum Beispiel häufiger zeitgenössische Lyrik präsentieren. Der Schauspieler, Radio- und Hörbuchsprecher Helge Heynold sucht weiterhin zusammen mit der evangelisch.de-Redaktion die Texte aus und liest sie seinem eigens eingerichteten Heimstudio ein.

Privat Helge Heynold zu Beginn der Corona-Epidemie in seinem improvisierten Dachkammerstudio

Den Ohrenweide-Podcast gibt es auch zum Abonnieren auf Podigee und überall, wo es Podcasts gibt.

Aus dem Buch: Gottfried Bachl, feuer.wasser.luft.erde. neue psalmen, erschienen im Tyrolia-Verlag.

Ohrenweide Podcast Psalm

TV-Tipp: "Spreewaldkrimi: Bis dass der Tod euch scheidet"

19. Februar 2024 - 4:45
TV-Tipp: "Spreewaldkrimi: Bis dass der Tod euch scheidet" GEPCORE_EVDE_SYNC Mo., 19.02.2024 - 04:45 Getty Images/iStockphoto/vicnt 19. Februar, ZDF, 20.15 Uhr Regisseur Jan Fehse erzählt in seinem dritten Film für die Reihe "Spreewaldkrimis" von einem Wirbelwind, der sich von den schlechten Gedanken der Menschen nährt und gern für allerlei Ungemach sorgt.

Es gibt zwar auch sogenannte urbane Legenden, die sich vor allem durch digitale Netzwerke verbreiten, aber diese Geschichten sind in der Regel nicht annähernd so faszinierend wie die klassischen Mythen und Sagen, die über Jahrhunderte weitererzählt worden sind. Sie machen einen großen Reiz jener Provinzkrimis aus, die das ZDF etwa aus dem Erzgebirge erzählt. Auch die "Spreewaldkrimis" von Thomas Kirchner bezogen sich regelmäßig auf Bräuche und uralten Aberglauben.

Jan Fehse greift diese Tradition in seinem dritten Film für die Reihe auf, wenn er von einem Wirbelwind berichten lässt, der sich von den schlechten Gedanken der Menschen nährt und gern für allerlei Ungemach sorgt. Im sechzehnten Film, "Bis dass der Tod euch scheidet", haben die Rotationen des urplötzlich auftretenden Wetterphänomens allerdings drastische Folgen: Bei einem Polterabend explodiert eine Gasflasche; ein Mann stirbt, der Bräutigam kommt mit Lungenriss ins Krankenhaus, er liegt im Koma. Die kriminaltechnischen Untersuchungen ergeben, dass die Katastrophe kein Unglück war: Die Explosion ist mit Hilfe eines telefonisch gezündeten Sprengsatzes herbeigeführt worden; und der auslösende Anruf kam ausgerechnet vom Telefon der Braut.

Allein dieser Ausgangspunkt schürt bereits mit Erfolg die Neugier. Außerdem ist der Film wie alle "Spreewaldkrimis" eine kunstvolle Konzeption mit vielen Rückblenden. Das ist diesmal nicht ganz so verwirrend wie noch zu Zeiten Kirchners, der sich mit Episode dreizehn ("Totentanz", 2021) von dem Format zurückgezogen hat, aber nach wie vor reizvoll, weil Regisseur Fehse, der im Rahmen der Reihe zum ersten Mal allein fürs Drehbuch verantwortlich war, immer wieder neue Bruchstücke aus der Vergangenheit liefert, die die Gegenwart in anderem Licht erscheinen lassen.

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Die beste Idee war allerdings die Besetzung der Gasthauptrolle mit Mercedes Müller. Die nach wie vor junge, aber bereits enorm erfahrene Schauspielerin versieht ihre Rollen stets mit einer unergründlichen Tiefe, die perfekt zur Rolle der trauernden Braut passt: Fina Jurisch hat die Feier kurz vor der Explosion verlassen, nachdem sie ihren Verlobten mit Kokain erwischt hat; Drogen waren ein Dauerstreitthema der beiden. Was anschließend passiert ist, bleibt zunächst offen: Als Ex-Kommissar Krüger (Christian Redl) sie am nächsten Morgen im Hochwald findet, hat sie keinerlei Erinnerungen mehr an die Ereignisse der Nacht.

Weil Krügers Nachfolger Fichte (Thorsten Merten) frei hat, übernimmt Polizistin Luise Bohn (Alina Stiegler) die Ermittlungen. Dank einer cleveren neuen Kriminaltechnikerin (Victoria Chilap) führt die Spur alsbald zu Fina, aber die steht unter besonderem Schutz: Wie sich rausstellt, ist sie Fichtes Tochter. Dass die beiden bislang keinen Kontakt hatten, lag nicht am Erzeuger; als sich Finas Mutter einst von ihm getrennt hat, wusste er nicht, dass sie schwanger war. Wie der Vater, so hat auch die Tochter ein eidetisches Gedächtnis und eine Vorliebe für die düsteren Gedichte von Rainer Maria Rilke, die sie mehrfach rezitiert. Die düstere Atmosphäre des Films entspricht den melancholischen herbstlichen Versen geradezu mustergültig. 

Fehse hat zuletzt unter anderem mehrere sehenswerte Episoden für die ZDF-Reihe "München Mord" sowie zwischendurch für die ARD das herausragend gute Paketbotendrama "Geliefert" (2021, Grimme-Preis für Bjarne Mädel) gedreht. Bevor er ins Regiefach wechselte, war er Kameramann. Die Bildgestaltung (Frank Blau) ist entsprechend sehenswert; besonders beeindruckend sind unter anderem die Nebelbilder, die ebenfalls ausgezeichnet mit den Rilke-Reimen korrespondieren.

Die spezielle Stimmung wird bereits im ungemein dicht komponierten Prolog gesetzt. Der Auftakt führt nicht nur die handelnden Personen ein, er enthält unter anderem auch eine rätselhafte Szene, die die kommenden Ereignisse in mancherlei Hinsicht vorwegnimmt: Ein von Fährmann Aldo (Lucas Lentes) gelenkter Kahn trifft im Kanal bei Krügers Bauwagen auf Schlauchboote mit Touristen. Die Urlauber sind aus Sicht des Fährverbands ein großes Ärgernis, weil sie regelmäßig die Kanäle blockieren und kein Geld, aber dafür eine Menge Müll in der Gegend lassen; deshalb beschließt ein Aktionsbündnis, ein nächtliches Zeichen zu setzen. Als sich die Boote begegnen, kommt plötzlich ein kleiner Wirbelsturm auf, und Krüger hat eine verstörende Vision: Sämtliche Beteiligten sind von einem roten Tod gezeichnet. Fina hat den ständig von seinen Kollegen gehänselten Aldo bereits im Frühjahr kennengelernt, nun ist er tot: Er war das Opfer beim Polterabend. 

Mehr zu TV-Tipp 19. Februar, ZDF, 20.15 Uhr TV-Tipp: "Spreewaldkrimi: Bis dass der Tod euch scheidet"Regisseur Jan Fehse erzählt in seinem dritten Film für die Reihe "Spreewaldkrimis" von einem Wirbelwind, der sich von den schlechten Gedanken der Menschen nährt und gern für allerlei Ungemach sorgt. 18. Februar, ARD, 20.15 Uhr: TV-Tipp: "Tatort: Cash"Kein anderer "Tatort" hat die persönlichen Schicksale der Team-Mitglieder von Anfang an so eng mit den Ermittlungen verknüpft wie die 2012 gestarteten Krimis aus Dortmund. Ein eindrucksvoll vielschichtiger Krimi von Regisseur Sebastian Ko. Fernsehen TV TV-Tipp

Kirchen laden zu Online-Pilgertreffs ein

19. Februar 2024 - 4:45
Kirchen laden zu Online-Pilgertreffs ein GEPCORE_EVDE_SYNC Mo., 19.02.2024 - 04:45 Allexkoch / CC BY-SA 4.0 /commons.wikimedia Der Jerusalemweg ist eine Initiative für einen modernen Pilgerweg, der aus mehreren Ländern nach Jerusalem führt. Vorbereitung für Saison 2024 In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Pilgerwanderungen: Teilstrecken großer europäischer Kultur- und Pilgerwege verlaufen durch das Land, interessante regionale Wege laden zum Pilgern ein und eine Fülle kürzerer und lokaler spiritueller Spazier- und Wanderwege wollen entdeckt werden.

Die Pilgersaison 2024 steht vor der Tür - Vor diesem Hintergrund laden die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg zu einer Reihe von Online-Pilgertreffs ein, die Lust auf die bevorstehende Pilgersaison 2024 machen sollen. Initiatorin ist die ökumenische Arbeitsgemeinschaft Pilgern in der "Landesarbeitsgemeinschaft Kirche und Tourismus in Baden-Württemberg".

Diese ist ein Gemeinschaftsprojekt der Erzdiözese Freiburg, der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Achim Wicker, Fachbereich Pilgern der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Sprecher der AG Pilgern, hält mit Blick auf das Angebot fest: "Nach dem sehr guten Start der Online-Vortragsreihe zum Pilgerland Baden-Württemberg im vergangenen Jahr freue ich mich sehr, dass es wieder gelungen ist, interessante Veranstaltungen für Pilger und alle, die es werden wollen, auf die Beine zu stellen."

Am Dienstag, 20. Februar, gibt es so einen Einblick in drei Pilgerwege im Pilgerland Baden-Württemberg. Um 19 Uhr stellen Achim Wicker, Dr. Emmanuel Gebauer von der Katholischen Erwachsenenbildung Ludwigsburg, und Werner Bothe, Team Wolfgangweg, den Meinradweg, den Jerusalemweg und den Wolfgangweg vor. Damit stehen an diesem Abend drei besondere Pilgerwege im Fokus. Der Jerusalemweg ist Deutschlands längster Pilger- und Friedensweg.

Der Meinradweg verbindet als Deutschlands erster reiner Radpilgerweg Rottenburg am Neckar mit dem schweizerischen Kloster Einsiedeln, das Meinrad gegründet hat. Eva Alke von der Erzdiözese Freiburg sagt dazu: "Der Meinradweg feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Grund genug für uns, Deutschlands ersten reinen Radpilgerweg nochmals vorzustellen."

Ein ganz neuer Weg, der bei dem Online-Treff vorgestellt wird, ist der Wolfgangweg von Pfullingen nach Regensburg, der im Oktober 2024 eröffnet wird. Dazu gibt es die Möglichkeit, sich bei dem Onlinetreff in Kleingruppen intensiver zu einem Weg zu informieren und am Ende die Chance, an einem Quiz teilzunehmen und einen Preis zu gewinnen.

Am Dienstag, 27. Februar, geht es beim nächsten Online-Pilgertreff um 19 Uhr um das Thema "Wie die Jungfrau zum Kinde - Erlebnisse aus einer Pilgerherberge am camino portuguese": Fast jede Pilgerin, jeder Pilger träumt mal davon, die auf dem Weg erlebte Gastfreundschaft zurückzugeben – warum nicht durch das Wirken in einer Herberge?

Bei Julia war es ganz anders, sie und ihre Familie kamen mehr oder weniger zufällig zur Aufgabe von Herbergseltern. Wie es dazu kam und was sie seither in ihrer Herberge in Portugal erlebt hat, erzählt Julia an diesem Abend. Detlef Lienau, Evangelische Landeskirche Baden, sagt zu diesem Angebot: "Auch in diesem Jahr kooperieren wir wieder mit dem Pilgerzentrum St. Martin in München und weiten so den Blick über das Pilgerland Baden-Württemberg hinaus auf den Jakobusweg in Portugal."

Den Abschluss der Online-Pilgertreffs bildet am Freitag, 5. April, um 20 Uhr wieder die Vorstellung von Pilgerwegen im Pilgerland Baden-Württemberg und in Deutschland. Beate Steiger, Alina Köder und Anja Blänsdorf stellen "Pilger.Schön und andere Frauenpilgerwege" vor.  Die Wege erzählen Frauengeschichten und beschäftigen sich mit Frauenthemen und Weiblichkeit. Jürgen Rist, Evangelische Landeskirche Württemberg, stellt dazu fest: "Das Frauenpilgerprojekt ‚Pilger.Schön‘ gibt es mittlerweile in beiden evangelischen Landeskirchen mit attraktiven Pilgerangeboten. Ich freue mich, dass wir dieses Projekt und weitere Pilgerangebote für Frauen vorstellen können."

Weitere Informationen finden Sie online.

Mehr zu Pilgern Vorbereitung für Saison 2024 Kirchen laden zu Online-Pilgertreffs einIn Baden-Württemberg verlaufen Teilstrecken großer europäischer Kultur- und Pilgerwege, interessante regionale Wege laden zum Pilgern ein und es gibt eine Fülle kürzerer und lokaler spiritueller Spazier- und Wanderwege. Besucheransturm zur Pilgermesse erwartet Pilgern auf Jakobs- und Olavswegen im NordenEinmal im Jahr laden die evangelische Jacobi- und Petrikirche zur Pilgermesse nach Hamburg ein. Sämtliche Pilgerwege in Skandinavien, aber auch aus Deutschland werden den Besuchern vorgestellt, in Vorträgen und Workshops am 17. Februar. Evangelische Kirche Pilgern Pilgerwege

Katholische Laien kritisieren Vatikan-Intervention bei Reformdialog

18. Februar 2024 - 16:07
Katholische Laien kritisieren Vatikan-Intervention bei Reformdialog evde_m_admin So., 18.02.2024 - 16:07 Ab Montag beraten die katholischen Bischöfe in Augsburg. Auf der Tagesordnung stand auch eine Abstimmung über den Fortgang des Reformprojekts Synodaler Weg. Der Vatikan forderte eine Vertagung der Abstimmung, daran gibt es Kritik der Kirchenbasis.

München, Berlin (epd). Katholische Laien in Deutschland haben die erneute Kritik des Vatikans am Reformdialog Synodaler Weg zurückgewiesen. Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ kritisierte die „irrlichternden Botschaften des Vatikans gegen den Synodalen Weg in Deutschland“. Mit der Aufforderung „Bischöfe, lasst euch nicht ins Bockshorn jagen!“ reagierte die Bewegung am Sonntag in München auf die am Samstag bekannt gewordene Anweisung des Vatikans an die Deutsche Bischofskonferenz, die Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung in Augsburg zu ändern.

Wie der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntag bestätigte, haben die Bischöfe am Samstagabend einen Brief aus dem Vatikan erhalten. „In diesem Brief wird gebeten, dass die Vollversammlung - auch aufgrund von anstehenden Gesprächen zwischen Vertretern der Römischen Kurie und Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz - nicht über die Satzung des Synodalen Ausschusses abstimmt“, sagte Kopp. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, habe daher den Mitgliedern der Bischofskonferenz ebenfalls am Samstagabend mitgeteilt, den Punkt zunächst von der Tagesordnung zu nehmen. Alles Weitere werde sich während der Vollversammlung in Augsburg zeigen, sagte Kopp. Die 64 Mitglieder der Bischofskonferenz beraten von Montag bis Donnerstag in Augsburg bei ihrer Frühjahrsvollversammlung.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, reagierte irritiert auf die römische Intervention. Rom habe die Deutsche Bischofskonferenz „quasi per Eilpost“ gebeten, bei ihrer Frühjahrsvollversammlung nicht über die Satzung des Synodalen Ausschusses abzustimmen und zunächst Gespräche in Rom abzuwarten. Dass der Tagesordnungspunkt abgesetzt sei, bedeute eine weitere Verzögerung der dringend notwendigen Reformen in der Kirche, bemängelte Stetter-Karp. Sie ist wie der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, im Präsidium des Synodalen Wegs.

Der Reformprozess Synodaler Weg wurde 2019 von katholischen Bischöfen und Laien als Reaktion auf die Missbrauchskrise ins Leben gerufen. Bis vergangenen März lief die erste Phase des Reformprozesses, bei der mehr als ein Dutzend Reformvorschläge erarbeitet wurden - unter anderem für mehr Gewaltenteilung, mehr Rechte für Frauen und queere Menschen in der Kirche.

Bis 2026 sollen nun weitere Reformanliegen in dem sogenannten Synodalen Ausschuss beraten werden, der auch die Aufgabe hat, eine Satzung und eine Geschäftsordnung für ein mögliches dauerhaftes synodales Gremium zu erarbeiten, in dem Bischöfe und Laien ab 2026 gemeinsam über die Zukunft der Kirche entscheiden. Der Vatikan hatte von Beginn an immer wieder interveniert und zuletzt die Gründung eines solchen dauerhaften Gremiums untersagt. Dennoch hatte der Synodale Ausschuss im November erstmals getagt und sich selbst eine Satzung gegeben, der aber ZdK und Bischofskonferenz noch zustimmen müssen.

Katholische Laien kritisieren Vatikan-Intervention bei Reformdialog

18. Februar 2024 - 15:42
Katholische Laien kritisieren Vatikan-Intervention bei Reformdialog evde_m_admin So., 18.02.2024 - 15:42

München, Berlin (epd). Katholische Laien in Deutschland haben die erneute Kritik des Vatikans am Reformdialog Synodaler Weg zurückgewiesen. Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ kritisierte die „irrlichternden Botschaften des Vatikans gegen den Synodalen Weg in Deutschland“. Mit der Aufforderung „Bischöfe, lasst euch nicht ins Bockshorn jagen!“ reagierte die Bewegung am Sonntag in München auf die am Samstag bekannt gewordene Anweisung des Vatikans an die Deutsche Bischofskonferenz, die Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung in Augsburg zu ändern. Der Vatikan hatte offenbar gefordert, die Abstimmung über die Satzung des Synodalen Ausschusses von der Tagesordnung zu nehmen. Die 64 Mitglieder der Bischofskonferenz beraten von Montag an in Augsburg.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, reagierte irritiert auf die römische Intervention. „Rom hat die Deutsche Bischofskonferenz quasi per Eilpost gebeten, bei ihrer Frühjahrsvollversammlung nicht über die Satzung des Synodalen Ausschusses abzustimmen und zunächst Gespräche in Rom abzuwarten. Der Tagesordnungspunkt ist seit gestern Abend abgesetzt. Das bedeutet eine weitere Verzögerung der dringend notwendigen Reformen in der Kirche“, bemängelte Stetter-Karp. Stetter-Karp ist wie der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, im Präsidium des Synodalen Wegs.

Der Reformprozess Synodaler Weg wurde 2019 von katholischen Bischöfen und Laien als Reaktion auf die Missbrauchskrise ins Leben gerufen. Bis vergangenen März lief die erste Phase des Reformprozesses, bei der mehr als ein Dutzend Reformvorschläge erarbeitet wurden - unter anderem für mehr Gewaltenteilung, mehr Rechte für Frauen und queere Menschen in der Kirche.

Bis 2026 sollen nun weitere Reformanliegen in dem sogenannten Synodalen Ausschuss beraten werden, der auch die Aufgabe hat, eine Satzung und eine Geschäftsordnung für ein mögliches dauerhaftes synodales Gremium zu erarbeiten, in dem Bischöfe und Laien ab 2026 gemeinsam über die Zukunft der Kirche entscheiden. Der Vatikan hatte von Beginn an immer wieder interveniert und zuletzt die Gründung eines solchen dauerhaften Gremiums untersagt. Dennoch hatte der Synodale Ausschuss im November erstmals getagt und sich selbst eine Satzung gegeben, der aber ZdK und Bischofskonferenz noch zustimmen müssen.

Nordkirche startet Krankenhausseelsorge-Chat

18. Februar 2024 - 14:30
Nordkirche startet Krankenhausseelsorge-Chat GEPCORE_EVDE_SYNC So., 18.02.2024 - 14:30 Werner Krueper Die Krankenhausseelsorge der Nordkirche soll in Zukunft auch via Chat möglich sein. "Schreiben statt Schweigen" "Hallo. Mir geht es nicht gut." "Was ist denn los?" - so könnte ein Chat mit der Krankenhausseelsorge beginnen. Die ist mit "Schreiben statt Schweigen" jetzt digital erreichbar.

Im Krankenhaus zu liegen, ist ohnehin nicht schön, aber wenn dann auch noch eine schwere Diagnose oder Einsamkeit dazukommen, wird es noch schwieriger. Für diese Fälle gibt es an vielen Krankenhäusern in der evangelischen Nordkirche Seelsorge. Unter dem Titel "Schreiben statt Schweigen" ist das Team ab Dienstag (20. Februar) auch online erreichbar.

"Wir möchten als Krankenhausseelsorge digitaler werden", betont Frauke Rörden. Die Pastorin ist im Krankenhaus St. Adolf-Stift in Reinbek als Seelsorgerin tätig und Beauftragte für digitale Zugänge zur Krankenhausseelsorge und Online-Seelsorge im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreisverband Hamburg (KKVHH).

Hinter "Schreiben statt Schweigen" verbirgt sich ein Chat - wie viele ihn von WhatsApp oder Signal kennen. "Das Angebot richtet sich in erster Linie an Patientinnen und Patienten, aber auch an Angehörige und natürlich an die Mitarbeitenden in den Krankenhäusern", erläutert Rörden. Über eine Internetseite ist der Chat auf dem Smartphone, einem Tablet oder am Laptop nutzbar. Und dann werde persönlich, vertraulich und kostenlos hin und her geschrieben.

Frauke Rörden hat bereits Erfahrungen mit Chatseelsorge gesammelt. "Im Chat geht es oft schneller ins eigentliche Thema." Anders als im analogen Gespräch gebe es keine Umwege über das Wetter oder andere Ablenkungen, beschreibt die Pastorin. Die Bandbreite der Themen reiche vom Umgang mit einer schweren Diagnose über die Verarbeitung von Trauer und Tod bis zum "Wunsch, die Pastorin einmal kennenzulernen oder über den Glauben zu reden und zu beten". Auch wenn sie im Chat nicht immer direkt helfen könne, gehe es oftmals darum, Mut und Kraft zu spenden, damit die Menschen sich auf die Suche nach einem Ausweg machen.

Warum ein Chatangebot? "Weil die Anonymität eine große Stärke ist", erklärt die Seelsorgerin. Ohne richtige Kleidung, mit Adipositas, nach einer Amputation oder ohne die Haare gemacht zu haben, fühlen sich Patienten oft unwohl. "Die Nutzer können selbst bestimmen, was sie von sich preisgeben. Sie müssen nicht mal ihren Namen sagen." Dieses fehlende Bild des Gegenübers mache die Sache einerseits einfacher, andererseits aber auch schwieriger, sagt Rörden. "Wir müssen viel mehr nachfragen, wer da im Chat ist, damit wir bei Themen wie Einsamkeit oder Liebeskummer alterssensibel reagieren können."

Zunächst wird das Team dienstags und donnerstags jeweils von 16 bis 18 Uhr online sein. In dieser Zeit antwortet immer jemand von den elf Krankenhausseelsorgenden, die in Pasewalk, Ueckermünde, Anklam, Schwerin, Itzehoe, Schleswig, Reinbek und Hamburg auch analog im Einsatz sind. Frauke Rörden betont aber: "Der Chat soll ein weiterer Weg zur Krankenhausseelsorge sein. Er wird unsere analogen Besuche nicht ersetzen. Wir kommen gern zu den Menschen." Aber die digitale Ergänzung sei etwas, dass sich die Pastorin persönlich schon früher gewünscht hätte. "Sprachlosigkeit überwinden, darum geht es ja in der Seelsorge."

Mit Plakaten und Flyern macht die Krankenhausseelsorge jetzt auf das neue Angebot aufmerksam. "Im Vorbeigehen kann einfach der QR-Code gescannt werden." Auf der Internetseite geht es dann zum Chat, und es gibt eine Übersicht über die Seelsorgenden und weitere Kontaktmöglichkeiten. Frauke Rörden hofft, damit Menschen ansprechen zu können, die noch nie über Krankenhausseelsorge nachgedacht haben. "Meine Hoffnung ist, dass es normal wird, dass es im Krankenhaus Chatseelsorge, Videocalls oder Seelsorge per E-Mail gibt."

Mehr zu Seelsorge "Schreiben statt Schweigen" Nordkirche startet Krankenhausseelsorge-Chat"Hallo. Mir geht es nicht gut." "Was ist denn los?" - so könnte ein Chat mit der Krankenhausseelsorge beginnen. Die ist mit "Schreiben statt Schweigen" jetzt digital erreichbar. Trauerbegleiterin rät Hinterbliebene brauchen mehr HilfeDas Thema Sterben, Tod und Trauer ist immer noch ein Tabuthema. Die Trauerbegleiterin Kerstin Fleischer appelliert, trauernde Menschen besser in den Blick zu nehmen. Chat Christliche Krankenhäuser Seelsorge

Faeser erinnert an die neun Opfer des Hanau-Anschlags

18. Februar 2024 - 14:12
Faeser erinnert an die neun Opfer des Hanau-Anschlags evde_m_admin So., 18.02.2024 - 14:12

Berlin (epd). Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat an die neun Todesopfer des rassistischen Anschlags in Hanau vor vier Jahren erinnert. Die Mahnung, die aus dem rassistischen Terror vor vier Jahren in Hanau folge, könne nicht aktueller sein, sagte Faeser am Sonntag in Berlin. Diese Mahnung heiße: „Alle demokratischen Kräfte müssen die Bedrohung, die der Rechtsextremismus für viele Menschen in unserem Land bedeutet, ernst nehmen und handeln.“ Am Montag jährt sich der Anschlag in Hanau zum vierten Mal, Faeser wird am stillen Gedenken auf dem Hauptfriedhof in Hanau teilnehmen.

Auf die Angst und die Ausgrenzung, die Rechtsextreme verbreiteten, müsse mit mehr Menschlichkeit und Solidarität geantwortet werden. „Mehr als 20 Millionen Menschen in unserem Land haben eine Einwanderungsgeschichte. Nicht wenige fragen sich in diesen Tagen nach den Enthüllungen über rechtsextreme Netzwerke und ihre Vertreibungsfantasien, ob sie in Deutschland noch sicher sind. Die Antwort darauf kann nur sein: Wir schützen euch, wir stehen an eurer Seite!“

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen mit Einwanderungsgeschichte erschossen und weitere Menschen verletzt. Anschließend erschoss er seine Mutter und nahm sich selbst das Leben. „Wir werden Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov nie vergessen“, sagte Faeser.

Den Jahrestag des Anschlags wollen die Stadt Hanau und das Land Hessen auf stille Weise begehen. Auf Wunsch der Angehörigen der Opfer soll es keine politischen Reden geben.

EKD und Diakonie beraten über Folgen aus der Missbrauchstudie

18. Februar 2024 - 13:31
EKD und Diakonie beraten über Folgen aus der Missbrauchstudie evde_m_admin So., 18.02.2024 - 13:31 Noch bis Montag berät die evangelische Kirche im Beteiligungsforum über Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie. Betroffene fordern, das Thema müsse bis in alle Gemeinden hineingetragen werden. Eine Sondersynode soll es indes nicht geben.

Frankfurt a.M. (epd). Die evangelische Kirche und die Diakonie beraten über Konsequenzen und Empfehlungen aus der Ende Januar veröffentlichten unabhängigen Missbrauchsstudie. Am Sonntag kam das zuständige Gremium, das Beteiligungsforum sexualisierte Gewalt, in Hannover zusammen. Das Gremium soll die Ergebnisse der Studie zentral auswerten und übergreifende Handlungsvorschläge für die 20 evangelischen Landeskirchen und Diakonie-Landesverbände unterbreiten.

Der Sprecher der Betroffenen in der evangelischen Kirche, Detlev Zander, erklärte vor dem Treffen, das Thema Missbrauch sei nach seinem Eindruck ziemlich schnell öffentlich von der Bildfläche verschwunden. „Mir fehlt der Aufschrei“, sagte Zander dem Evangelischen Pressedienst (epd) gut drei Wochen nach Vorstellung der sogenannten ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie.

Das Thema Missbrauch sollte seiner Ansicht nach in alle evangelischen Kirchengemeinden hineingetragen werden. Der Sprecher der Betroffenen im Beteiligungsforum betonte, es gehe um berechtigte Anliegen von Betroffenen bezüglich Aufarbeitung und etwa der Zahlung von Anerkennungsleistungen. Das Beteiligungsforum berät derzeit unter anderem über eine Reform des Disziplinarrechts von Pfarrern und kirchlichen Angestellten und über die Neuordnung der Anerkennungsleistungen. Noch bis Montag tagen die 17 ständigen Mitglieder des Gremiums in Hannover.

Am 25. Januar hatte der unabhängige Forschungsverbund ForuM im Auftrag der EKD und der Diakonie eine Studie über Risikofaktoren und Ausmaß sexualisierter Gewalt vorgestellt. Die Forschung fand Hinweise auf mindestens 2.225 Betroffene und mindestens 1.259 mutmaßliche Täter, die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte der Einschätzung zufolge deutlich höher liegen. Zudem attestierten die Forschenden eine „Verantwortungsdiffusion“, ein problematisches Amtsverständnis bei Pfarrern und die Diskreditierung von Betroffenen, die die Gewalt gegen sie öffentlich machten.

Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, hält indes eine Sondertagung der EKD-Synode nicht für sinnvoll. Zunächst müssten im Beteiligungsforum so schnell wie möglich und so sorgfältig wie nötig Maßnahmen aus der Studie und ihren Empfehlungen abgeleitet werden, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Diese würden dann der Synode, die regulär im November tagt, vorgelegt. Das Beteiligungsforum sei der „zentrale Ort für die Weiterarbeit mit der ForuM-Studie“, sagte Heinrich, die als Präses ebenfalls dem Beteiligungsforum angehört. Dies entspreche dem verabredeten Verfahren.

Die bayerische Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner räumte ein, dass die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt auch in der Diakonie viele Jahre nicht die erforderliche Aufmerksamkeit erhalten habe. Bei ihrem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren habe sie das Thema sexualisierte Gewalt in ihren Zuständigkeitsbereich geholt. Sie warnte aber davor, „in Hyperaktivität zu verfallen“. „Es geht nicht darum, möglichst viel zu tun, sondern das richtige“, sagte sie dem epd. Es brauche vielmehr einen Bewusstseins- und Haltungswandel. „Die Übergriffe sind für die Betroffenen furchtbar. Oftmals noch schlimmer war für viele aber, dass ihnen nicht geglaubt wurde“, sagte Weingärtner.

Fastenaktion mit Fernsehgottesdienst eröffnet

18. Februar 2024 - 13:00
Fastenaktion mit Fernsehgottesdienst eröffnet GEPCORE_EVDE_SYNC So., 18.02.2024 - 13:00 epd-bild/Detlef Heese Pastorin Andrea Kruckemeyer hat gemeinsam mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister den Auftaktgottesdienst zur Fastenaktion gestaltet. "Sieben Wochen Ohne" In der Fastenzeit vor Ostern überdenken viele Christen ihren Lebensstil, manche verzichten aus freien Stücken auf Fleisch oder Alkohol. Die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche will ein Zeichen für das Miteinander setzen.

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche "Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge" ist mit einem Fernsehgottesdienst eröffnet worden. "Der Karneval ist vorbei und die Fastenzeit hat begonnen", sagt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister in der Kirche St. Marien in Osnabrück. "Sieben Wochen bis Ostern. Sieben Wochen, in denen Menschen ihre Zeit anders gestalten wollen. Sie fasten. Sie verzichten oder sie wollen bewusst sich selbst und anderen etwas gönnen und geben."

"Komm rüber!" Das sei mehr als ein Satz, nach dem Einsame sich sehnten und von dem Überlastete genervt seien, sagt Meister in seiner Predigt. Es sei ein Satz, der Menschen zusammenbringe. Meister, der zugleich Botschafter der Fastenaktion ist, betonte, in diesen Wochen und Monaten hörten viele Menschen ein "Kommt!". "Hunderttausende fühlen sich derzeit auf die Straße gerufen. Am dritten Januarwochenende sollen es mehr als eine Million Menschen gewesen sein. Ein Ruf, dem viele Gehör schenken. 'Komm!' Es ist dringend! Unsere Demokratie, unsere Freiheit, unsere Mitmenschen brauchen dich."

Doch "Komm rüber!" sei nicht immer ein Ruf, der ins Gute führe, mahnt Meister. "'Komm rüber!' kann auch eine dunkle Seite haben. Vertrauen wird gebrochen. Das gilt, so wissen wir, besonders für sexualisierte Gewalt in der Kirche. Es ist zutiefst beschämend, wie sehr Beschuldigte und Verdächtige ihr Amt und das in sie gesetzte Vertrauen missbrauchten." Bewusst seien Grenzen von Kindern und Erwachsenen überschritten und ihnen Gewalt angetan worden. "Und wir haben viel zu lange Augen und Ohren verschlossen. Wir haben die Rufe der Betroffenen nicht gehört." Daher gelte es, aufmerksam zu prüfen: "Wer ruft mich? Wem kann ich vertrauen?"

Pastorin Andrea Kruckemeyer gestaltete den Gottesdienst, der Sonntagmorgen im ZDF übertragen wurde, rund um das Thema Alleingänge. So ging es etwa um die Frage, wie sich eine Balance zwischen Alleinsein und der Gemeinschaft mit anderen herstellen lasse: "Wann wird das Alleinsein zum Alleingang? Und was hindert mich daran, auf andere zuzugehen?" Im Gottesdienst erzählten verschiedene Helfer davon, wie durch Gemeinschaft Vorurteile verschwanden und sich neue Handlungsmöglichkeiten eröffneten.

In der Fasten- oder Passionszeit erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi und bereiten sich auf Ostern vor, auf die Botschaft von der Auferstehung. Die evangelische Aktion "7 Wochen Ohne" soll helfen, diese Wochen bewusst zu erleben und zu gestalten. Sie wurde 1983 gegründet. Die diesjährige Aktion setzt bis Ostern sieben Wochenthemen: "Miteinander gehen", "Mit den Liebsten", "Mit denen da drüben", "Mit der Schöpfung", "Mit der weiten Welt", "Mit den Anvertrauten" und "Mit Gott".

Der Gottesdienst zur Eröffnung der Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor in Ludwigshafen wurde in der ARD übertragen. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann rief in der Kirche St. Ludwig zur Solidarität mit Menschen im globalen Süden auf, die benachteiligt und ausgebeutet würden. Wiesemann kritisierte im Gottesdienst die "erschreckende Gleichgültigkeit vieler Menschen, die sich keinen Deut darum scheren, wie es den Bauern in Kolumbien und allen Ländern des globalen Südens geht".

Kaffee, Bananen und Orangen würden unter teilweise unmenschlichen Bedingungen angebaut, die Bauern seien Opfer von globalen wirtschaftlichen und politischen Mechanismen. Der Bischof appellierte, wachsam zu sein in Bezug auf Bestrebungen, die Demokratie, Vielfalt und Solidarität verächtlich machen wollten. Das katholische Hilfswerk Misereor sammelt bei seiner Aktion unter dem Motto "Interessiert mich die Bohne" bis zum 17. März Spenden für kolumbianische Kleinbäuerinnen und - bauern.

Mehr zu Fasten "Sieben Wochen Ohne" Fastenaktion mit Fernsehgottesdienst eröffnetIn der Fastenzeit vor Ostern überdenken viele Christen ihren Lebensstil, manche verzichten aus freien Stücken auf Fleisch oder Alkohol. Die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche will ein Zeichen für das Miteinander setzen. Ohrenweide Podcast Wenn du weit gehen willstOhrenweide Folge 412. Helge Heynold liest: Wenn du weit gehen willst - von Hansjörg Kopp. Fasten Fastenaktion "7 Wochen ohne falsche Gewissheiten" Glaube

Misereor startet Fastenaktion

18. Februar 2024 - 11:04
Misereor startet Fastenaktion evde_m_admin So., 18.02.2024 - 11:04

Ludwigshafen (epd). Mit einem Gottesdienst in Ludwigshafen ist am Sonntag die diesjährige Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor gestartet. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann rief in der Kirche St. Ludwig zur Solidarität mit Menschen im globalen Süden auf, die benachteiligt und ausgebeutet würden.

Wiesemann kritisierte im Gottesdienst die „erschreckende Gleichgültigkeit vieler Menschen, die sich keinen Deut darum scheren, wie es den Bauern in Kolumbien und allen Ländern des globalen Südens geht“. Kaffee, Bananen und Orangen würden unter teilweise unmenschlichen Bedingungen angebaut, die Bauern seien Opfer von globalen wirtschaftlichen und politischen Mechanismen. Der Bischof appellierte, wachsam zu sein in Bezug auf Bestrebungen, die Demokratie, Vielfalt und Solidarität verächtlich machen wollten.

Die diesjährige Fastenaktion steht unter dem Leitwort „Interessiert mich die Bohne“. Misereor lenkt damit den Blick auf die schwierige Lage von Kleinbäuerinnen und -bauern in Kolumbien. Am 17. März werden dazu in allen katholischen Kirchengemeinden Spenden gesammelt.

"Bei Aufarbeitung viel Zeit vertrödelt!"

18. Februar 2024 - 10:45
"Bei Aufarbeitung viel Zeit vertrödelt!" GEPCORE_EVDE_SYNC So., 18.02.2024 - 10:45 Nicolas Armer/dpa/Nicolas Armer Bayerns Diakonie-Präsidentin fordert eine Überprüfung des Machtgefälles. Sexualisierte Gewalt Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bereich der Diakonie hat nach Ansicht der bayerischen Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner zu viele Jahre nicht die erforderliche Aufmerksamkeit erhalten.

"Da ist unglaublich viel Zeit vertrödelt worden", sagt Weingärtner dem Evangelischen Pressedienst. Bei ihrem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren habe sie das Thema sexualisierte Gewalt bewusst in ihren Zuständigkeitsbereich geholt.

Weingärtner warnt nach Veröffentlichung der ForuM-Studie zu Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie aber auch davor, "in Hyperaktivität zu verfallen". "Es geht nicht darum, möglichst viel zu tun, sondern das richtige." Was aber das richtige ist, sei schwer zu beantworten, sagt Weingärtner.

"Wir müssen die Aufarbeitung auf alle Fälle mehr in Gang bringen", denn auch in diakonischen Einrichtungen gab es körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt. "Hier wollen wir mehr Verantwortung als bisher übernehmen." Dabei gelte es zuerst die Bedürfnisse der Betroffenen zu berücksichtigen. "Manche möchten öffentlich ihre Geschichte erzählen, andere wollen eine Anerkennung für erfahrenes Unrecht, wieder andere gar keinen Kontakt mit uns - all das gilt es angemessen zu berücksichtigen", sagt sie.

Die Kritik seitens der ForuM-Forscher an der Datenlage des quantitativen Studienteils und auch die Kritik an den Kirchen und der Diakonie seitens der Betroffenen könne sie durchaus verstehen, sagt Weingärtner. "Ob es jetzt allerdings den Betroffenen hilft, in jahrelanger Arbeit weitere Studien anhand von Personalakten zu erstellen, muss schon auch hinterfragt werden", betont sie. Es brauche vielmehr einen "Bewusstseins- und Haltungswandel". "Die Übergriffe sind für die Betroffenen furchtbar. Oftmals noch schlimmer war für viele aber, dass ihnen nicht geglaubt wurde", erläutert Weingärtner.

Richtig sei, dass in den quantitativen Teil der ForuM-Studie noch sehr viel weniger Daten aus der Diakonie als von den Kirchen eingeflossen sind - das sei aber von Anfang an nicht Ziel der Studie gewesen. "Das liegt auch an der unterschiedlichen Verfasstheit", sagt sie. Denn bei der Diakonie gebe es nur wenige Kirchenbeamte - und nur für die gebe es Disziplinarakten, die für die Studie auch gesichtet wurden. Der qualitative Teil allerdings habe gerade für die Diakonischen Werke und Verbände "eine enorme Bedeutung", erläutert die Präsidentin der Diakonie Bayern: "Gerade die Frage der Hierarchie und des Machtgefälles, besonders innerhalb geschlossener Systeme, ist in der Diakonie noch einmal eine ganz andere, die wir uns noch mal sehr genau anschauen werden."

Mehr zu Sexualisierte Gewalt Sexualisierte Gewalt "Bei Aufarbeitung viel Zeit vertrödelt!"Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bereich der Diakonie hat nach Ansicht der bayerischen Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner zu viele Jahre nicht die erforderliche Aufmerksamkeit erhalten. Gegen Missbrauch Die Gemeinde Grünwald und ihr SchutzkonzeptAls eine der ersten Gemeinden hat die evangelische Thomaskirche Grünwald schon seit Juli 2023 ihr Schutzkonzept gegen Missbrauch fertig. Was hat sich in der Gemeinde durch die Arbeit mit dem Thema verändert? Missbrauch Sexualisierte Gewalt Studie

Lauterbach: Organspende-Register soll am 18. März an den Start gehen

18. Februar 2024 - 10:44
Lauterbach: Organspende-Register soll am 18. März an den Start gehen evde_m_admin So., 18.02.2024 - 10:44 2020 hat der Bundestag ein Organspende-Register beschlossen. Dieses soll nun am 18. März starten, wie Gesundheitsminister Lauterbach mitteilt. Patientenschützer kritisieren, für den erfolgreichen Start fehlten die Voraussetzungen in den Kommunen.

Berlin (epd). Das vom Bundestag beschlossene Organspende-Register soll laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im März online gehen. „Das digitale Organspende-Register wird am 18. März nun endlich an den Start gehen“, sagte der Minister der „Rheinischen Post“ (Samstag). Es werde den Organspende-Mangel nicht sofort beheben, aber es sei ein wichtiger Schritt nach vorne.

In dem Register können Bürgerinnen und Bürger ihre Bereitschaft zu einer Spende oder ihre Ablehnung festhalten. Das Register ist freiwillig und kostenlos. Das elektronische Verzeichnis geht auf einen Beschluss des Bundestags aus dem Jahr 2020 zurück und soll die Spendenbereitschaft steigern.

Das Online-Register gehe nun endlich zwei Jahren später als gesetzlich vorgeschrieben an den Start. Doch kaum ein Pass- oder Bürgeramt sei in der Lage, dem rechtlichen Auftrag der Informationspflicht nachzukommen, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ebenso fehlten vor Ort die digitalen Anschlüsse zum Register.

Die Bundesländer kämen ihrer Aufgabe nicht nach, die Rahmenbedingungen des Entscheidungsgesetzes festzusetzen. „Der Streit ums Geld überlagert alles“, sagte Brysch. Er forderte die Regierungschefs der Länder auf, einen verbindlichen Fahrplan für die Anbindung des Online-Organspenderegisters in den Städten und Gemeinden festzulegen. Es gelte, die Interessen der Schwerstkranken und eine neutrale, ergebnisoffene und umfassende Aufklärung aller Bürgerinnen und Bürger endlich ernst zu nehmen, betonte er.

Nach Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation stieg die Zahl der Spenden 2023 im Vergleich zum Vorjahr. Der Anstieg betrug demnach elf Prozent. 965 Menschen spendeten nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe, 96 mehr als im Jahr 2022.

Fastenaktion "Sieben Wochen Ohne" mit Fernsehgottesdienst eröffnet

18. Februar 2024 - 10:28
Fastenaktion "Sieben Wochen Ohne" mit Fernsehgottesdienst eröffnet evde_m_admin So., 18.02.2024 - 10:28

Osnabrück (epd). Die Fastenaktion der evangelischen Kirche „Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge“ ist am Sonntag mit einem Fernsehgottesdienst eröffnet worden. „Der Karneval ist vorbei und die Fastenzeit hat begonnen“, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister in der Kirche St. Marien in Osnabrück. „Sieben Wochen bis Ostern. Sieben Wochen, in denen Menschen ihre Zeit anders gestalten wollen. Sie fasten. Sie verzichten oder sie wollen bewusst sich selbst und anderen etwas gönnen und geben.“ Der Gottesdienst wurde im ZDF übertragen.

„Komm rüber!“ Das sei mehr als ein Satz, nach dem Einsame sich sehnten und von dem Überlastete genervt seien, sagte Meister in seiner Predigt. Es sei ein Satz, der Menschen zusammenbringe. Meister, der zugleich Botschafter der Fastenaktion ist, betonte, in diesen Wochen und Monaten hörten viele Menschen ein „Kommt!“. „Hunderttausende fühlen sich derzeit auf die Straße gerufen. Am dritten Januarwochenende sollen es mehr als eine Million Menschen gewesen sein. Ein Ruf, dem viele Gehör schenken. 'Komm!' Es ist dringend! Unsere Demokratie, unsere Freiheit, unsere Mitmenschen brauchen dich.“

In der Fasten- oder Passionszeit erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi und bereiten sich auf Ostern vor, auf die Botschaft von der Auferstehung. Die evangelische Aktion „7 Wochen Ohne“ soll helfen, diese Wochen bewusst zu erleben und zu gestalten. Sie wurde 1983 gegründet. Die diesjährige Aktion setzt bis Ostern sieben Wochenthemen: „Miteinander gehen“, „Mit den Liebsten“, „Mit denen da drüben“, „Mit der Schöpfung“, „Mit der weiten Welt“, „Mit den Anvertrauten“ und „Mit Gott“.

Luisa Neubauer: Möchte Morddrohungen nicht als Normalität akzeptieren

18. Februar 2024 - 10:10
Luisa Neubauer: Möchte Morddrohungen nicht als Normalität akzeptieren evde_m_admin So., 18.02.2024 - 10:10

Berlin (epd). Die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer möchte Drohungen und Anfeindungen nicht hinnehmen. „Diese permanente Bedrohungslage, die Morddrohungen, das Stalking, die Vergewaltigungsfantasien in Postfächern, das möchte ich nicht als Normalität in meinem Leben akzeptieren“, sagte die deutsche Sprecherin der Klimabewegung „Fridays for Future“ dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag).

Diese Bedrohungslage sowie die endlosen Sicherheitsmaßnahmen machten ihren Aktivismus „so viel aufwendiger, anstrengender“. Neubauer lehnte es ab, diese Bedrohungen als private Angelegenheit zu betrachten. „Hass gegen Aktivisten ist nicht ein Privatproblem, es ist ein gesellschaftlicher Missstand.“

Alle wollten, dass die Zivilgesellschaft sich einsetze. Überall werde anerkannt, dass eine intakte Zivilgesellschaft ein Rückgrat der Demokratie sei, sagte Neubauer. „Aber wenn eben diese Zivilgesellschaft in Teilen ihre Arbeit nicht machen kann, weil der Hass, die Gewalt, die Angst zu groß wird - dann soll das ein Privatproblem sein? Das mache ich nicht mit.“

Experte: Lehren aus Afghanistan-Einsatz werden nicht gezogen

18. Februar 2024 - 9:49
Experte: Lehren aus Afghanistan-Einsatz werden nicht gezogen evde_m_admin So., 18.02.2024 - 09:49 Am Montag legt die Enquete-Kommission des Bundestages ihren Zwischenbericht zum Afghanistan-Einsatz vor. Der Konfliktforscher Conrad Schetter bezweifelt, dass der Bericht viel ändert. Er fordert für die Zukunft Expertengremien für jeden Einsatz.

Frankfurt a.M. (epd). Der Konfliktforscher Conrad Schetter bezweifelt, dass aus der Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes tatsächlich Lehren gezogen werden. „Die beteiligten Ministerien werden wahrscheinlich sagen, was im Bericht ist, wissen wir und haben wir alles geändert“, sagte der Direktor des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch das sei weder im Umgang mit Afghanistan noch mit anderen Krisenregionen zu beobachten. Am Montag veröffentlicht die Enquete-Kommission des Bundestages zum Afghanistan-Einsatz einen Zwischenbericht mit den Ergebnissen aus rund anderthalb Jahren Arbeit.

So behalte der Vorwurf der Kommission, die Beteiligten hätten nicht genug über Afghanistan gewusst, seine Gültigkeit, kritisierte Schetter, der sich seit Jahrzehnten mit dem Land beschäftigt. „Das Wissen über die Konfliktregionen ist eigentlich nicht gegeben, sondern man geht entweder mit vorgefertigten Meinungen rein oder mit einer guten Portion Ignoranz.“ Das habe sich in Mali wiederholt, und auch bei der Ukraine gebe es keine Anzeichen für eine Änderung.

Dem Forscher zufolge wurden die Spitzen der beteiligten Ministerien und auch die Abgeordneten, die dem Afghanistan-Einsatz zustimmen mussten, nicht ausreichend über die Lage informiert. „Die politischen Entscheidungsträger haben Entscheidungen getroffen, ohne zu wissen, was in dem Land passierte.“ Das habe auch an mangelnder Transparenz zwischen den Beteiligten gelegen. Zwar sei es schwierig, in einem Konfliktkontext transparent über Lage und Pläne zu informieren, weil sie den gegnerischen bewaffneten Akteuren nutzen könnten. Aber es gebe geschützte Räume, um etwa dem Bundestag Rechenschaft abzulegen.

Für künftige Missionen müssen sich Schetter zufolge also die Entscheidungsstrukturen ändern. Auch brauche es für jeden Einsatz ein unabhängiges Expertengremium, das die Politik begleite und informiere. Zudem solle Deutschland unabhängiger von den USA agieren, forderte der Experte. „In Afghanistan hat sich die Bundesregierung immer weggeduckt und die Entscheidungen den Amerikanern überlassen.“ Damit habe man es versäumt, selbst politische Verantwortung zu übernehmen und einen eigenen Kurs zu entwickeln. Vielen Beteiligten sei es außerdem nicht in erster Linie um Afghanistan gegangen, sondern darum, den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen Gefallen zu tun.

An Geld habe es hingegen nicht gefehlt, betonte der Friedensforscher. „Die Ressourcen, die da waren, sind nur wahnwitzig völlig falsch eingesetzt worden.“ Zudem war das Ziel Schetter zufolge von Anfang an unrealistisch. „Man ging teilweise davon aus, dass Afghanistan nach zehn Jahren eine blühende Ökonomie mit einer wunderbar funktionierenden Demokratie sein würde.“

Nun bleibe nichts anderes übrig, als mit der Talibanregierung zu kommunizieren, damit das Land nicht im Teufelskreis humanitärer Krisen bleibe, sagte Schetter. Da sei die aktuelle Bundesregierung aufgrund der feministischen Außenpolitik zu wenig pragmatisch. „Eine Zusammenarbeit mit den Taliban ist sehr wichtig, um den Frauen im Land das Überleben zu ermöglichen.“

"Das Machtgefälle in der Diakonie muss genau angeschaut werden"

18. Februar 2024 - 7:51
"Das Machtgefälle in der Diakonie muss genau angeschaut werden" evde_m_admin So., 18.02.2024 - 07:51 Bayerns Diakonie-Präsidentin zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Nürnberg (epd). Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bereich der Diakonie hat nach Ansicht der bayerischen Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner zu viele Jahre nicht die erforderliche Aufmerksamkeit erhalten. „Da ist unglaublich viel Zeit vertrödelt worden“, sagte Weingärtner dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei ihrem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren habe sie das Thema sexualisierte Gewalt bewusst in ihren Zuständigkeitsbereich geholt. Weingärtner warnte nach Veröffentlichung der ForuM-Studie zu Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie aber auch davor, „in Hyperaktivität zu verfallen“. „Es geht nicht darum, möglichst viel zu tun, sondern das richtige.“

Was aber das richtige ist, sei schwer zu beantworten, sagte Weingärtner. „Wir müssen die Aufarbeitung auf alle Fälle mehr in Gang bringen“, denn auch in diakonischen Einrichtungen gab es körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt. „Hier wollen wir mehr Verantwortung als bisher übernehmen.“ Dabei gelte es zuerst die Bedürfnisse der Betroffenen zu berücksichtigen. „Manche möchten öffentlich ihre Geschichte erzählen, andere wollen eine Anerkennung für erfahrenes Unrecht, wieder andere gar keinen Kontakt mit uns - all das gilt es angemessen zu berücksichtigen“, sagte sie.

Die Kritik seitens der ForuM-Forscher an der Datenlage des quantitativen Studienteils und auch die Kritik an den Kirchen und der Diakonie seitens der Betroffenen könne sie durchaus verstehen, sagte Weingärtner. „Ob es jetzt allerdings den Betroffenen hilft, in jahrelanger Arbeit weitere Studien anhand von Personalakten zu erstellen, muss schon auch hinterfragt werden“, betonte sie. Es brauche vielmehr einen „Bewusstseins- und Haltungswandel“. „Die Übergriffe sind für die Betroffenen furchtbar. Oftmals noch schlimmer war für viele aber, dass ihnen nicht geglaubt wurde“, erläuterte Weingärtner.

Richtig sei, dass in den quantitativen Teil der ForuM-Studie noch sehr viel weniger Daten aus der Diakonie als von den Kirchen eingeflossen sind - das sei aber von Anfang an nicht Ziel der Studie gewesen. „Das liegt auch an der unterschiedlichen Verfasstheit“, sagte sie. Denn bei der Diakonie gebe es nur wenige Kirchenbeamte - und nur für die gebe es Disziplinarakten, die für die Studie auch gesichtet wurden. Der qualitative Teil allerdings habe gerade für die Diakonischen Werke und Verbände „eine enorme Bedeutung“, erläuterte die Präsidentin der Diakonie Bayern: „Gerade die Frage der Hierarchie und des Machtgefälles, besonders innerhalb geschlossener Systeme, ist in der Diakonie noch einmal eine ganz andere, die wir uns noch mal sehr genau anschauen werden.“

Liebig: Führungsfrage in anhaltischer Kirche zügig klären

18. Februar 2024 - 5:46
Liebig: Führungsfrage in anhaltischer Kirche zügig klären evde_m_admin So., 18.02.2024 - 05:46

Dessau-Roßlau (epd). Der scheidende Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, mahnt eine zügige Klärung der derzeit offenen Führungsfrage seiner Landeskirche an. „Sollte diese Dysfunktionalität zu lange andauern, dann würden sich Grundsatzfragen stellen“, warnte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Liebig geht Ende Februar nach 15 Jahren an der Spitze von Deutschlands kleinster evangelischer Landeskirche in den Ruhestand. Bei einer Sondertagung des Kirchenparlaments, der Landessynode, im September 2023 war die Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers gescheitert. Ein erneuter Wahlanlauf, der für Mitte März geplant war, wurde mangels einer ausreichenden Zahl an Kandidaten verschoben.

Eine neue Abstimmung soll erst bei der Zusammenkunft der neuen Landessynode Ende Mai oder Anfang Juni erfolgen. Die Synodalen werden derzeit in den fünf Kirchenkreisen gewählt. Trotz der ungeklärten Führungsfrage sieht Liebig die Landeskirche bisher nicht in ihrer Existenz bedroht. „Im Moment ist der Landeskirchenrat durch mein Ausscheiden nur mit zwei Personen und damit nicht vollständig besetzt“, sagte Liebig: „Das ist misslich, aber derzeit sehe ich noch keine existenzielle Bedrohung.“

Eine Fusion etwa zu einer mitteldeutschen Kirche oder gar einer „Ostkirche“ lehnt der Kirchenpräsident ab. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Größe zentral für die Relevanz ist“, sagte Liebig. Er habe andere Erfahrungen gemacht. Die Kirchen seien nicht deswegen gesellschaftlich bedeutsam, weil sie eine große Zahl an Mitgliedern hätten, betonte der Kirchenpräsident: „Mir ist nicht im Geringsten aufgefallen, dass wir hier im Osten oder in Mitteldeutschland eine mindere Relevanz haben, bloß weil wir eine Minderheitskirche sind.“

Experte: Lehren aus Afghanistan-Einsatz werden nicht gezogen

18. Februar 2024 - 5:45
Experte: Lehren aus Afghanistan-Einsatz werden nicht gezogen evde_m_admin So., 18.02.2024 - 05:45

Frankfurt a.M. (epd). Der Konfliktforscher Conrad Schetter bezweifelt, dass aus der Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes tatsächlich Lehren gezogen werden. „Die beteiligten Ministerien werden wahrscheinlich sagen, was im Bericht ist, wissen wir und haben wir alles geändert“, sagte der Direktor des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch das sei weder im Umgang mit Afghanistan noch mit anderen Krisenregionen zu beobachten. Am Montag veröffentlicht die Enquete-Kommission des Bundestages zum Afghanistan-Einsatz einen Zwischenbericht mit den Ergebnissen aus rund anderthalb Jahren Arbeit.

So behalte der Vorwurf der Kommission, die Beteiligten hätten nicht genug über Afghanistan gewusst, seine Gültigkeit, kritisierte Schetter, der sich seit Jahrzehnten mit dem Land beschäftigt. „Das Wissen über die Konfliktregionen ist eigentlich nicht gegeben, sondern man geht entweder mit vorgefertigten Meinungen rein oder mit einer guten Portion Ignoranz.“ Das habe sich in Mali wiederholt, und auch bei der Ukraine gebe es keine Anzeichen für eine Änderung.

Dem Forscher zufolge wurden die Spitzen der beteiligten Ministerien und auch die Abgeordneten, die dem Afghanistan-Einsatz zustimmen mussten, nicht ausreichend über die Lage informiert. „Die politischen Entscheidungsträger haben Entscheidungen getroffen, ohne zu wissen, was in dem Land passierte.“ Das habe auch an mangelnder Transparenz zwischen den Beteiligten gelegen. Zwar sei es schwierig, in einem Konfliktkontext transparent über Lage und Pläne zu informieren, weil sie den gegnerischen bewaffneten Akteuren nutzen könnten. Aber es gebe geschützte Räume, um etwa dem Bundestag Rechenschaft abzulegen.

Jesu Versuchung (Matthäus 4,1-11)

18. Februar 2024 - 5:00
Jesu Versuchung (Matthäus 4,1-11) GEPCORE_EVDE_SYNC So., 18.02.2024 - 05:00 getty-Image/iStockphoto/duncan1890 Ohrenweide Podcast Bibel Ohrenweide Folge 1413. Helge Heynold liest: Jesu Versuchung (Matthäus 4,1-11) aus der Lutherbibel von 2017, den Predigttext für den heutigen Sonntag Invocavit.

Seit April 2020 erscheint täglich die Ohrenweide. In mittlerweile über 1.000 Folgen werden an dieser Stelle täglich kleine Hörgeschenk zum Innehalten, Nachdenken und Hoffnung schöpfen angeboten.

Helge Heynold Helge Heynold studierte Schauspiel und spielte eine Zeit lang Theater, bevor er zum Hessischen Rundfunk wechselte. Dort war er über 40 Jahre als Redakteur, Regisseur und bald auch als Sprecher tätig. Als solcher hatte er Auftritte mit Solo-Musikern, Orchestern und Chören und las CDs ein. Seit vielen Jahren ist er zudem als Vorleser auf diversen Bühnen unterwegs - mit Lyrik, Geschichten und auch kompletten Romanen. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit unseren kleinen Ausflügen auf die Ohrenweide. Ab diesem Jahr sind unsere Inhalte noch etwas abwechslungsreicher. So werden wir zum Beispiel häufiger zeitgenössische Lyrik präsentieren. Der Schauspieler, Radio- und Hörbuchsprecher Helge Heynold sucht weiterhin zusammen mit der evangelisch.de-Redaktion die Texte aus und liest sie seinem eigens eingerichteten Heimstudio ein.

Privat Helge Heynold zu Beginn der Corona-Epidemie in seinem improvisierten Dachkammerstudio

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Mit feundlicher Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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